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Hundenachwuchs

Lesedauer

6–8 Minuten

Anfang Februar 2023 war es so weit: Unser Hundenachwuchs Lana zog bei uns ein. Die Entscheidung, einen Hund aufzunehmen, verlief für unsere Verhältnisse ziemlich spontan. In den Jahren zuvor hatten wir immer wieder darüber gesprochen und waren dabei nicht immer einer Meinung. Es war also nicht so, dass wir diesen Schritt monatelang geplant und uns wochenlang Hunde angeschaut haben. Doch Anfang des Jahres überschlugen sich die Ereignisse ein wenig: Alexandra hatte plötzlich Zeit, und dann kam von Raphael der unerwartete Satz: „Dann können wir ja jetzt einen Hund bekommen.“ Alexandra machte sich sofort auf die Suche und klärte mit dem Vermieter und den Hausbewohnern, ob die Aufnahme eines Hundes für alle in Ordnung wäre. Damit waren die Hürden aus dem Weg geräumt, und es galt nur noch, den Hundenachwuchs auszusuchen, der bei uns einziehen darf. Wie Lana zu uns kam und was es bedeutet, einen Tierschutzhund aufzunehmen, erzählen wir euch hier.

Welcher Hundenachwuchs soll es werden?

Fündig wurden wir bei Deine Tierwelt, und ein hilfreiches YouTube-Video hat uns bei der Entscheidung unterstützt. Außerdem erfuhren wir, dass Lana (damals noch Nahla) auf einer Müllhalde in Kroatien gefunden wurde und bis zu ihrem fünften Lebensmonat in einem Shelter untergebracht war. Welche Rasse sie genau hat, wie groß sie wird und welches Temperament auf uns zukommt, wussten wir dagegen nicht.

Bei der Vorkontrolle wurden unsere Absichten dann genau hinterfragt: Ist uns bewusst, was es bedeutet, einen Tierschutzhund zu bekommen? Wie gehen wir damit um, wenn der Hundenachwuchs Mehrarbeit erfordert oder sich äußerliche Eigenschaften noch verändern? Kleiner Spoiler: Wir konnten nicht mal annähernd erahnen, was es heißt, einen Hund aufzunehmen, der nichts kennt und bisher nur unter Seinesgleichen gelebt hat. Die Vorkontrolle verlief positiv, und so hieß es: In einer Woche können wir Lana begrüßen.

Vorfreude und Unsicherheit: Der Hundenachwuchs steht vor der Tür

In der Woche vor Lanas Ankunft haben wir erste Besorgungen erledigt, und die Vorfreude wuchs von Tag zu Tag. Bei Fressnapf haben wir eine Erstausstattung für unseren Hundenachwuchs zusammengestellt. Das stand auf unserer Einkaufsliste:

  • Leine: Der Verein verlangte eine mit zwei Karabinerhaken.
  • Geschirr: Eines hatten wir über den Verein erhalten, aber Lana wuchs noch, also brauchten wir ein weiteres.
  • Kotbeutel
  • Kotbeutel-Tasche
  • Trinknapf
  • Fressnapf: Zuerst hatten wir einen normalen. Weil Lana aber so schlang, kam nach ihrer Ankunft noch ein Anti-Schlingnapf dazu.
  • Futter für Welpen
  • Transportbox

Liegeplätze mussten wir nicht kaufen: Wir hatten immer wieder auf die Hunde von Alexandras Eltern aufgepasst, daher waren bei uns schon welche vorhanden.

All diese Gedanken und Besorgungen machten Vorfreude, und endlich war auch Alexandras Traum von einem eigenen Hund wahr geworden. Trotzdem war da auch ein Gefühl der Unsicherheit, und im Kopf kreisten viele Fragen:

  • Ist das die richtige Entscheidung?
  • Bereuen wir es nicht doch hinterher?
  • Was machen wir, wenn wir es bereuen?
  • Wie wird Raphaels unerfahrene Nicht-Hunde-Familie auf Lana reagieren?
  • Wie wird Lana mit so einer großen Familie fertig?
  • Wie wird das für uns als Paar? Wir waren so lange allein, passt ein Hund in unser Leben?
  • Wie schaffen wir es, den Hundenachwuchs in unser Leben zu integrieren?

Klar, all diese Fragen stellt man sich vorher, und sie waren in den Jahren zuvor auch immer wieder Gesprächsstoff. Auf alles hatten wir keine Antwort, und trotzdem blieb der Wunsch. Die Fragen poppen dann einfach wieder auf, denn selbst beim größten Wunsch kommt eine Portion Unsicherheit dazu, wenn sich das bisherige Leben verändert.

Mit überwiegender Vorfreude ging es dann an einem Samstagabend zum Übergabetreffpunkt in Overath, um Lana nach ihrer 12-stündigen Autofahrt endlich mit nach Hause zu nehmen.

Die gemeinsame Fahrt nach Hause

Das ist eine wirklich sehr schöne Erinnerung, zumindest aus Alexandras Sicht. Lana wurde uns überreicht, und man sah ihr die Strapazen verständlicherweise an. Der Verein hat das unter den Umständen aber richtig toll gemacht: Alle waren sehr nett und am Wohl der Tiere interessiert. Mit Lana auf dem Arm setzte sich Alexandra auf die Rückbank, und wir machten uns auf den Weg nach Hause.

Trotz ihrer Angst suchte Lana dort schon Nähe, für einen Tierschutzhund keine Selbstverständlichkeit. Es dauerte ein wenig, denn sie musste sich erst an neue Gesichter, neue Gerüche, eine andere Umgebung und noch eine weitere Fahrt gewöhnen. Doch schon auf der Heimfahrt kuschelte sich der kleine Hundenachwuchs bei Alexandra an und suchte Schutz. Damit war das erste Eis gebrochen 😍

Erste Stunden im neuen zu Hause

Die erste Nacht war wirklich angenehm. Lana war so kaputt, dass sie bis zum nächsten Morgen in ihrer Box durchschlief. Weil wir mitten in der Nacht losgefahren waren, blieb zu Hause nicht viel Zeit zum Eingewöhnen. Das war ihr in diesem Fall aber ziemlich egal, und das erste Schläfchen bei uns im Schlafzimmer auf ihrem Platz verlief unkompliziert.

Am nächsten Morgen ging unser Hundenachwuchs dann auf Erkundungstour: Es wurde sehr viel geschnüffelt, und auch der erste morgendliche Spaziergang stand an. Der war ein wildes Hin und Her, denn an der Leine laufen kannte Lana noch nicht. Schnell stellten wir fest: Das wird eine erste Baustelle. Und wir müssen zugeben, dass es nach über drei Jahren leider immer noch nicht ideal ist, aber schon deutlich besser geworden 😅

Ein Tierschutzhund kennt nichts

Gefühlt war das noch untertrieben! Weil Lana bei den ersten Spaziergängen ziemlich gut auf andere Tiere reagiert hatte, wollten wir sie direkt mit dem älteren, entspannten Hund von Alexandras Eltern bekannt machen. Als Ort wählten wir extra eine Wiese draußen, damit es für alle neutraler Boden ist. Die Hunde kamen aufeinander zu, wir begrüßten „die alte Lady“ – tja, und da legte unser neues Familienmitglied einen Schalter um und eskalierte komplett. Es wurde gebellt, aus jedem Beruhigungsversuch wurde sich herausgewunden, und wir beendeten das Aufeinandertreffen schnell. Total deprimiert gingen wir nach Hause, und Alexandra hatte schon die schlimmsten Befürchtungen: Verstehen sich die Hunde nicht? Was machen wir dann in Zukunft?

Zur Beruhigung wollten wir uns ein wenig vom Fernseher berieseln lassen – und wieder wurde der Schalter umgelegt. Der Hundenachwuchs bellte, was das Zeug hielt, und wir machten den Fernseher wieder aus. Ruhe. Dass sogar ein Fernseher ein Problem sein kann, war uns nicht klar. So ist das eben bei einem Tierschutzhund, der vorher kaum etwas kennengelernt hat. Das war der erste Tag, an dem wir schon viel über Lana gelernt haben, und in den nächsten Wochen folgten noch viele weitere Themen:

  • Der Staubsauger
  • Der Wischmopp
  • Die Müllabfuhr
  • Challengehunde (Die sind es aber leider immer noch)
  • Mülltonnen
  • Baumstumpfe
  • Jegliche Art von Schildern
  • Menschen, die sich unnatürlich bewegen
  • Sehr verhüllte Menschen

Wir haben an diesen Themen jedoch gearbeitet und wie wir das teilweise geschafft haben. Das könnt ihr hier nachlesen.

Eine Achterbahn der Gefühle

Wir sind ehrlich: Die ersten Tage und Wochen waren eine absolute Achterbahn der Gefühle, und es sind einige Tränen geflossen. Gleich zu Beginn so viele Baustellen festzustellen, holte uns auf den – unserer Meinung nach wirklich sehr harten – Boden der Tatsachen zurück. Das erste kurze, überschwängliche Gefühl über das neue Familienmitglied ließ schnell nach, und wir sahen uns mit Themen konfrontiert, auf die wir keine Antwort hatten und von denen wir uns erst mal überfordert fühlten. Schnell stellten wir uns die Frage: Haben wir die richtige Entscheidung getroffen? Doch wir waren uns auch einig: Wir haben uns dafür entschieden und müssen Lana die Chance geben, sich an alles zu gewöhnen.

Damit lagen wir genau richtig. Natürlich gab es weiterhin harte Tage, aber wir haben jeden Tag gemerkt, wie sich Lana wohler fühlte, uns Stück für Stück in ihr Herz ließ und sich alles langsam fügte. Ein Tierschutzhund braucht Zeit, Geduld und Vertrauen, und genau die haben wir unserem Hundenachwuchs gegeben. Schlussendlich wurde sie unsere Welt und wir ihre, und wir hatten (und haben) sehr viel Spaß daran, mit ihr rauszugehen, zu kuscheln und sie zu verwöhnen.

Unser Fazit zum Hundenachwuchs mit Vorgeschichte

Rückblickend war Lanas Ankunft ein Wechselbad der Gefühle. Wir wissen heute: Ein Tierschutzhund braucht vor allem Geduld, Humor und starke Nerven. Wenn ihr euch auch überlegt, Hundenachwuchs ins Haus zu holen: Habt Vertrauen, redet viel miteinander und lasst euch Zeit. In den nächsten Beiträgen erzählen wir euch, wie es mit unserem Hundenachwuchs weiterging.